… und was mache ich? 

Ich habe nicht nur schon als junges Mädchen Pferdeerfahrung gesammelt und meine Freizeit lieber zwischen Pferdebox, Misthaufen und Reitplatz verbracht, sondern diese Affinität zum Pferd seit meinem 16. Lebensjahr zu meinem Beruf gemacht. 1994 begann ich meine Ausbildung zur Pferdewirtin Schwerpunkt Zucht und Haltung bei Marianne Wiegand und Thomas von Buttlar in Hessen. Die gesamte schonende, vielseitige und reelle Ausbildung und der Umgang mit den selbst gezogenen jungen Pferde, beeindruckte und prägte mich nachhaltig.

Meine weitere Stationen führten mich in Reitschulen, Turnierställe und Gestüte in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz und auch nach Irland. 

Trotz aller Vorsicht, Erfahrung und Sattelfestigkeit, die ich über die Jahre gewinnen konnte, haute es mich eines Tages im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Sattel und ich erlitt einen folgenschweren Genickbruch mit Rückenmarksschaden. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle meinen Job an den Nagel hängen sollen, doch ohne Pferde ging es damals und geht es auch heute einfach nicht. Dieses einschneidende Erlebnis mit fatalen Folgen für meine Gesundheit brachte mich aber nur näher in meinen Beruf, entgegen aller Ratschläge von Ärzten und Freunden,  die ich – wie so oft – ignorierte. Nach einer Zeit der Rekonvaleszenz kämpfte ich mich in meinen Beruf zurück, der für mich mehr denn je zur Berufung wurde.

Ich begann, meine Ausbildungmethoden und meine Reitweise an meine entstandenen körperlichen Einschränkungen anzupassen, die mir noch sehr lange zu schaffen machten. Vieles konnte ich körperlich nicht mehr umsetzen, da ich einfach nicht genügend Körperspannung, Gleichgewicht oder einfach nur Armkraft hatte. Jedes Kopfdrehen oder Anstupsen des Pferdes brachte mich sofort zum Stolpern oder Wanken. 
Meine bisherigen Wege in der Arbeit mit Pferden unterzogen sich so ganz automatisch einer „Verbesserung“, da ich nun alles auf meine mir noch verbliebenen Fähigkeiten abstimmte, die ich trotz oder besser aufgrund meiner anerkannten Schwerbehinderung für mich entdeckte. Meine Methoden werden seitdem von ganz anderen Qualitäten geprägt: noch leisere ruhigere Töne, stärkerer Fokus auf die auf innere Haltung als auf den körperlichen Ausdruck, alles mit noch mehr Sanftheit, ohne Zwang und Druck, spielerischer, mit mehr Leichtigkeit und Vertrauen, auf Sicherheit, mit unendlich viel Zeit, kurzum – behindertengerecht! 🙂 

Darum ist heute umso mehr die vielseitige und korrekte Ausbildung vom jungen Pferd/Reiter unter der Einbeziehung “moderner” Erkentnisse und Methoden zu meinem Steckenpferd geworden – nachreitbar von Kindern und Menschen mit Behinderung 😉 

Dieses kleine Bild rechts zeigt mich 1 Jahr nach meiner Wirbelsäulenversteifung auf meiner damaligen Trakehnerstute Belaja, die ich selbst bis zur Klasse M ausgebildet hatte und einige Zeit als Kinderreitschulpferd nutzte. Eine Seele von Pferd, der ich in meiner Zeit nach dem Sturz blind vertraute und mit der ich diese schwere Zeit durchstand. Deshalb bin ich dort auch ohne Kappe zu sehen, es war aber letztlich nur ein Ausdruck meiner Situation, denn ein erneuter Sturz wäre eh mein reiterliches Ende gewesen, vor allem zu diesem Zeitpunkt. Dieses Risiko war mir zum damaligen Zeitpunkt durchaus bewusst. Es ritt quasi immer mit… und tut es auch jetzt noch, vor allem auf Pferden, die ich nicht kenne. 

Eine sorgsame und reelle Grundausbildung ist der Grundstein im Fundament der Ausbildung bis in die höchsten Klassen. Daraus ergeben sich die Lektionen spielerisch und leichter und die Pferde werden dazu gebracht, mitzudenken und sich mit Freude an der Arbeit – um des Lobes Willen – anzubieten. Erst dann macht Reiten Spaß!

Und weil ich selbst für mich der Meinung bin, nie ausgelernt zu haben, habe ich im Herbst 2018 trotz meiner gesundheitlichen Situation die Prüfung zur Ausbildereignung für den Beruf Pferdewirt bestanden.

Herzklee 17 jährig nach 5 Fohlengeburten und ich 20 Jahre nach meiner Wirbelsäulenversteifung!
Berittpferd
Herzklee

K